Der Auftritt beim Formel 1 Grand Prix in Bahrain

Vor einigen Wochen hat unser Dojo mal wieder ein Drumfest veranstaltet – ein abendfüllendes Theaterkonzert. Mugenkyo war zu der Zeit auf Tour, also haben die (komplett vertretenen) anderen Dojo Mitglieder das Konzert alleine bestritten. So hatte mal wieder jeder die Gelegenheit, Neues zu probieren und seine eigenen Grenzen zu erweitern. Für mich persönlich war meine Premiere mit Shakuhachi und Shinobue das Besondere an diesem Abend. 
 
Am letzten Wochenende war ich dann mit Mugenkyo in Bahrain beim Formel 1 Grand Prix, einem drei Tage dauernden Ereignis. Natürlich ist man so als Schotte die Hitze vor Ort nicht gewöhnt (Temperaturen nahe 40 Grad), und bei sechs Auftritten a 20 Minuten pro Tag wäre das auch ohne Hitze schon anstrengend gewesen. Hinzu kam, dass wir auf drei verschiedenen, über das Gelände verteilten Bühnen aufgetreten sind, also die Trommeln dazwischen hin und her schleppen mussten. Wenigstens konnten wir nach ein wenig hin und her zwei Karren besorgen, die den Transport etwas erleichterten. 
 
Verständlicherweise war das eine Woche voller ungewohnter neuer Eindrücke, so dass ich hier nur eine paar vereinzelt und eher zufällig ausgewählt wiedergeben kann. 
 
Formel 1 Rennautos sind tatsächlich unglaublich laut, so laut, dass ich ernsthaft überlegt habe, mit Ohrstöpseln zu spielen. Habe es aber dann doch gelassen. Es ist eigentlich auch nett, mal bei einem Event zu spielen, wo man nicht Gefahr läuft, zu laut zu sein. Andererseits war es auch eine ungewohnte Herausforderung, zu spielen, ohne seine Mitspieler hören zu können; denn wenn eine Reihe von Autos vorbeiraste, konnte man nicht einmal sich selbst hören und musste einfach hoffen, dass nach der damit einhergehenden Taubheit alles noch zusammenpasste. 
 
Wo wir schon bei Lautstärke sind, im Green Room neben uns waren wohl der lauteste und leiseste Musiker zusammen untergebracht: Bagpipe Roy (ein altgedienter Dudelsackspieler des Black Watch Regiments) und Pedro the Hang Player. (Wer die Hang, ein metallenes Perkussionsinstrument, das wie zwei aneinander geschweißte, verbeulte Woks aussieht, noch nie gehört hat, sollte einmal auf YouTube danach suchen, oder mal zu einem Besuch zum Edinburgh Fringe Festival kommen.) 
 
In Bahrain ist der Islam Staatsreligion, und, so wenig wir auch vom Land selbst zu sehen bekommen haben, er ist tatsächlich im öffentlichen Leben sehr präsent. Am deutlichsten wurde mir das, als es am Freitag Mittag eine halbstündige Gebetspause gab, während derer keinerlei Vorführungen stattfanden. 
 
Eher amüsiert hat mich, dass wir in ehemals deutschen Reisebussen mit anheimelnden Namen wie Rattelmeier oder Frankenhauser zwischen Hotel und Veranstaltungsgelände transportiert wurden. 
 
Insgesamt scheint unser Taikospiel recht gut angekommen zu sein; jedenfalls konnten wir uns nicht über das Gelände bewegen, ohne permanent von Besuchern aufgefordert zu werden, für ein Foto zu posieren. Aber ich habe den leisen Verdacht, dass unsere orangen Happi Coats da auch eine wichtige Rolle gespielt haben. 
 
Und dann kamen nach unserem letzten Auftritt am Samstag die Organisatoren auf uns zu, und fragten uns, ob wir nicht bei der Siegerehrung nach dem Rennen spielen könnten. Anbetracht der Tatsache, dass bis zu 600 Millionen Zuschauer weltweit die Formel 1 Rennen verfolgen, war das natürlich eine einmalige Gelegenheit. 
 
Am Renntag durften wir das Rennen bei einem FIA Mitarbeiter in seinem Büro verfolgen. Es war schon etwas unwirklich, die Autos draußen vorbei donnern zu hören und sie zwei Sekunden später (Verzögerung durch den Satelliten Uplink) auf dem Fernsehschirm zu sehen. Auch war es ungewohnt, aber durchaus nicht unangenehm, solch ein Großereignis ohne jeglichen Kommentar zu sehen. 
 
Der Auftritt selbst war nur etwa 30 Sekunden lang (eine Herausforderung in sich) und musste sich nahtlos in den perfekt geplanten Zeitablauf der Siegerehrung einfügen. Erschwerend kam hinzu, dass unser Ji-uchi Spieler auf dem Podium neben dem Siegertreppchen stand und wir anderen unten in der Boxengasse. Wir konnten ihn also nicht sehen und nur über einen Monitor hören. Aber all diese Komplikationen waren in Anbetracht der vielen Kameras wohl auch ganz gut; denn so musste ich mich auf vieles gleichzeitig konzentrieren und bin nicht dazu gekommen, während des Spielens über die ungewöhnliche Situation nachzudenken. 
 
Auch ist mir erst im Nachhinein die Dimension des Ereignisses so recht bewusst geworden; denn 600 Millionen ist eben nur eine abstrakte Zahl. Aber als mich dann Verwandte und Freunde aus Deutschland kontaktierten und fragen: "Kann es sein, dass wir Dich beim Formel 1 Grand Prix gesehen haben?" dachte ich mir, hm, das war wohl doch ein ungewöhnlicher Auftritt.

[Artikel vom 28.04.2013]

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